13. Bittstädt Open Air

20. - 22. Mai 2011

FREITAG

• Endzeitstimme
• lost.minds
• Solid
• Harnstein

SAMSTAG

• Bartender
• Soulcreep
• Roo-B-Con
• Scoville
• The Core
Solorot
• NEMO
• Feuershow der Feuerfünkchen
• Crayfish
• Limited Booze Boys


SONNTAG

• Hercules Propaganda
• Hûtba

Eigentlich wollte ich mich auf ein kurzes Fazit beschränken. Ich bin aber auf dem Festival so oft gefragt worden, wie es nun doch noch zum 13. Bittstädt Open Air gekommen ist, daß ich weiter aushole. Wer nich will musses ja nich lesen. Und weil ihr die Bands selber gesehen habt (da seid ihr mir gegenüber im Vorteil) erzähle ich den Rest drumherum, nach welchem gefragt wurde.

Vorgeschichte

Die Idee kam mir beim Durch-die-Frühlingssonne-Laufen am Samstag dem 5. März 2011. Recht kurzfristig. Jochen (Crayfish-Gitarre) hatte mich vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß wir mit Crayfish 10-Jähriges haben und eigentlich eine Dankeschön-Party starten müssten. Und weil uns zu Hause keiner kennt (die Band), jedoch zum Beispiel im Raum Gotha/Arnstadt recht viele, wäre es fair, das dort zu machen, damit die nicht so weit fahren müssen. Wir haben da auch ne Weile drüber nachgegrübelt aber keine praktikable Lösung gefunden. Wir dachten an ein kleines Open Air.

Und ich spazier so in der Frühlingssonne durch Tröbnitz und denke, wasn schönes Bittstädt-Wetter. Schade daß das vorbei ist. Der Paul hat nach der Katastrophe letztes Jahr gesagt, wenn einer kommt und will spielen, wir können gerne ein Fass Bier anstecken. Aber Geld ist keins mehr da. Schade ums Bittstädt Open Air. Und plötzlich fiels mir wie Schuppen aus den Haaren. Naja – zugegeben, da war nicht so schwer drauf zu kommen. Der Rest meines Fußweges zur Arbeit hat eigentlich gereicht, die Grobplanung zu skizzieren. Zuerst hab ich den Crayfish-Bassisten F von meiner Idee informiert. Und der war und blieb die härteste Nuss. Der F hat das eigentlich so lange innerlich zu 75% abgelehnt bis alles durchgeplant und fertig war. Es gibt Leute, bei denen überwiegen immer die Bedenken. Und es gibt Leute, bei denen überwiegt immer der Enthusiasmus. Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte. Aber ich gebe zu Bedenken – Gruppe A stellt ohne Gruppe B keine Open Airs auf die Beine.

Als Nächstes kam Paul, der Veranstalter der letzten beiden Bittstädte, der sofort begeistert war und den Platz klargemacht hat. Am traditionellen Himmelfahrtswochenende war der Festivalplatz leider nicht mehr zu haben. Also sind wir auf den 20.-22. Mai ausgewichen. Das war einer der beiden letzten möglichen Termine. Der andere war im Spätsommer. Das hier gleich zur Erklärung für alle verärgerten Alt-Bittstädt-Fans.

Der nächste Punkt waren die Bands. Zuerst wurden Nemo gefragt, und das war schnell klargemacht. Der Keyboarder hat ein gutes Wort eingelegt. Bei Bartender hat der Sänger sich dafür ausgesprochen. Dann eine E-Mail an 11 weitere Bands, die Situation erklärt, zu unserem Geburtstag eingeladen und um Hilfe gebeten. Die Idee war, noch 2 bis 3 weitere Bands zu finden, um ein Programm zusammenzubekommen, mit dem wir über die Crayfish-Clubanlage vielleicht Freitag und Samstag Abend bißchen feiern könnten. Tja, und dann das Ding. Es haben ALLE Bands ja gesagt!

Also schnell eine Website gezimmert und das Programm online gestellt. Der F äußerte berechtigte Bedenken, das mit der Crayfish-Technik zu meistern. Aber ohne Eintrittseinnahmen kann man keine Tontechnik mieten.

Der nächste wichtige Punkt war Hoppels Anruf (Hoppel ist der NEMO-Stammtechniker und der von Crayfish wenns mal gut klingen soll). War also der Anruf von Hoppel am Sa 12.03. des Vormittags bei mir. Wieder im strahlenden Sonnenschein. Das Gespräch ging so:

Hoppel: „Alter, hast Du ne Meise? Erst erzählst Du hier was von ner kleinen Geburtstagsparty und dann stellste da ein halbes Highfield hin?“

Meisenmann: „Ach komm, die Bands helfen uns alle und ziehen das mit durch.“

Hoppel: „Naja dann kann ja wohl nix mehr schiefgehen.“

Meisenmann: „Äh – doch, wir wissen noch nicht wie wir das mit der Technik lösen, da ham wir ein Problem.“

Hoppel: „Nee, das haste jetzt nicht mehr.“ (Übersetzung: Hoppel hilft uns!)

Meisenmann (extrem grinsend): „Eeeeecht?“

Hoppel: „Na Du Blödmann – ich kenn die ganzen Bands! Meinste ich hör mir nachher dauernd an, wieso machtn das nich der Hoppel mit der Technik?“

Ab da war alles geritzt. Die Übrigkeit wie Transportlogistik für Getränke, Backline, PA, Lichttechnik, Schanktechnik, Bestuhlung, Überdachungen Technikstand und Backstage, Beleuchtung für Festplatz und Weg zum Zeltplatz, Ausschilderungen für Zufahrt und Gelände, Sonderfahrgenehmigung für Sonntag für den LKW, Helfer, Zeit-, Ablauf- und Programmpläne, Absperrungen, Essenangebot, Zeltplatz, Personal besorgen, Flyerdruck und –Verteilung, Internetwerbung, Bandversorgung, Wechselgeld, Müllplan und so weiter. Hat so viel Spaß gemacht daß ich eigentlich lieber nix anderes mehr machen möchte. Und dann gibt’s da ja auch noch die Dinge die keinen Spaß machen wie Genehmigungen, Mietverträge, Bratwürschte für fluchende Hoppels, GEMA und verschissene Scheißhäuser und überlaufende Klärgruben und so weiter. Vom Spaß her hat Paul die schlechtere Hälfte erwischt. (Wer selbst ein kleines Open Air veranstalten möchte kann gleich das hier als To-Do-Liste nehmen und als Dankeschön ein Bier mit uns trinken).

Beginn

Den Kern der Logistik bildet ein 26t-LKW mit festem Kofferaufbau, der übers Festival als Lager auf dem Platz stehen bleibt. Erster Schock am Donnerstag dem 19.05.2011 – die Lenkung geht kaputt. Die geht kaputt! Wenn die kaputtgeht fällt das Festival flach, weil einen Tag vorm Festival kein Ersatz mehr zu beschaffen ist. In der Werkstatt finden sie keinen Fehler, und plötzlich geht’s auch wieder. Grrr – probieren?

Sämtliche Getränkeversorgung (70% für die Bands, weil viel Rock’n’Roll, 30% fürs Publikum), die Crayfish-Backline, die Technik für die Essensbereitung auf dem Platz und die Nemo-Instrumente werden in Tröbnitz am Donnerstag Abend auf den LKW geladen. Der hat 19 Europaletten-Stellplätze. Sollte überschlägig locker reichen, um am Freitag vormittag noch ins Tontechnik-Lager fahren zu können und dort PA und Licht zuzuladen. Nach Fertigstellung der Erstbeladung ist mir doch etwas flau im Bauch. Es ist recht voll geworden auf dem Autolein. Hoffentlich kommt Hoppel mit dem Restplatz zurecht. Es sind noch so etwa 6 bis 8 Palettenplätze frei.

Folgerichtig geht am Freitag vormittag, etwa um die Zeit, wo der LKW bei Hoppel sein muss, ein Anruf bei mir ein, den ich nur zögerlich annehme: „AAAALTER! WAS ISN DAS FÜR NE SCHEISS SPERRMÜLLFUHRE!“ Der Fahrer, Hoppel und Grüni verbringen drei Stunden Tetris und packen eine abgespeckte Anlage auf den LKW zu unserem hochwertigen Material.

Unser Fahrzeug, Insassen sind Doro, Björn, F und ich und alle liebevoll von Doro gesprühten Wegweiser, setzt auf der Fahrt nach Bittstädt letztere (nicht Doro, sondern die Wegweiser) an die Straßenränder, damit ihr auch den Weg findet. Endlich da. Beim Erklimmen des Festivalhügels unter Vernaschung eines Glücklichkeitsbieres kippt die Stimmung endlich von Vorbereitungsstress in reines Wohlfühlen. Dann Betreten des Festplatzes. Schock 2. Die Hälfte des Platzes ist säuberlich abgesperrt wegen offensichtlich frisch angesäten Grases. Ja wie? Da klingelt das Telefon. Schock 3. Mein LKW-Fahrer: „Du hast mir hier zwar schön ne Fahrtroute ausgedruckt von Hoppel nach Bittst, aber ich steh hier vor ner 3,40 m-Brücke.“ Für nicht LKW-Fahrer: Da passt er nicht durch. Und sowas zeigt google maps nicht mit an. Die Schöcke zwei und drei holen mich wieder komplett raus aus Wohlfühlen zurück in Vorbereitungsstress. Der LKW – Schock 2 - is nich so schlimm. Ich sach einfach, mach Dir halt’n Kopp. Das klappt auch. Aber der PLATZ! Man kann kein halbes Bittstädt Open Air feiern! Außerdem würde beizeiten ein Betrunkener mit dem linken Auge an einer rostigen Absperrstange hängen bleiben. Wir beschließen, uns dem Riesenärger zu stellen, das Ganze in den Kostenplan aufzunehmen, die Absperrungen zu beseitigen und hinterher alles wieder neu zu machen. Doro fährt schon mal Grassamen kaufen.

Schöckchen 4: Hoppel meint, der vorhandene Bühnenstrom reicht niemals aus. Also fährt Doro auch noch zu einem netten Elektromeister und holt 50 m Starkstromkabel, mit dem wir zusätzlichen Strom zur Bühne legen. Mit dosiertem Einsatz von Licht und Ton reicht das nun gerade so.

Und langsam steigt die Stimmung wieder von V nach W.

Tja, der Rest ging wie geschmiert. Festival aufgebaut (Ton, Licht, Schank, Essen, Dach, Beschilderung), Helfer begrüßt und eingewiesen, Bands bewiesen und eingegrüßt, und ab damit!

Leider hat man als Veranstalter keine Zeit sich die Bands anzusehen. Klingt komisch, is aber so. Kaum stellt man sich vor die Bühne und riskiert ein Ohr kommts von hinten – ey, Wechselgeld is alle, ey, wo isn Herr XY, ey, voll geil alter, ey, Klopapier is alle, ey, kennst du uns noch und so weiter. Nich so schlimm, so war das ja gedacht. Ärgere mich nur daß ich einige Bands komplett verpassen musste.

Abschluss

Wie soll man das in Worte fassen – wir sind absolut geplättet. Es hat funktioniert, es hat alles geklappt und es war ein Riesen-Rock’n’Roll.

Ihr wart ein super Festival-Publikum. Ihr habt euch an unsere Bitte gehalten und keinen Müllberg hinterlassen. Einige von euch haben sogar bis Sonntag Abend mit geholfen beim Aufräumen! Es gab keine Schäden, Diebstähle oder Verletzungen – zumindest keine, die uns bekannt geworden sind. Ein Riesen Dankeschön an Georg und die Thekencrew, an Sabine und Rene, an Hoppel und Grüni, an Doro und Björn, an das gesamte 2011er Bittstädt-Publikum und an alle 15 Bands und Feuerfünkchen.

Es ist euer Werk, daß für uns nur ein Entschluss bleibt – jetzt müssen wir auch weitermachen. So’n Spaß wie das gemacht hat.

Ein platter Meisenmann

Ein paar interessante Links:

Harnstein haben ihre Eindrücke in Wort und Bild hier hingeschrieben: Harnstein
Kerstin Lucklum hat Tonnen von hervorragenden Fotos hier: Kerstin

Bildliche Impressionen gibt es hier.